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Der Begriff "Hochgebirge"



Geographisch-landschaftskundliche Definition nach Carl Troll

Hochgebirge sind Gebirge, die sich in dem jeweiligen Klimagürtel zu solcher Meereshöhe erheben, dass sie den Formenschatz, das Pflanzenkleid, die Verwitterungsböden und den Landschaftscharakter annehmen, die man mit der ursprünglich in den Alpen gewonnenen Vorstellung eines Hochgebirges verbindet. Dazu gehört, dass sich die Gebirge über die obere Grenze des Waldes und Baumwuchses erheben; weiter, dass sie in der Eiszeit bzw. in den Eiszeiten über die damalige Schneegrenze aufragten, so dass sich der an den nivalen Klimabereich gebundene Formenschatz ausbilden konnte; schliesslich, dass in der heutigen Landschaft durch eine starke Wirkung der Bodengefrornis der mechanische Gesteinszerfall, die Strukturbodenbildung und die solifluidale Bodenabtragung flächenhaft wirksam werden können."

(C. Troll, Das Wesen der Hochgebirgsnatur; in: Jahrbuch des Oesterreichischen Alpen Vereins, 1955)

 

Ergänzend im Anschluss:

Diese Höhenstufe und die Grenze der Hochgebirgsnatur erhebt sich in den Tropen auf über 4000 Meter, in den trockensten Gürteln der Erde auf über 5000 Meter. In den gemässigten Breiten senkt sie sich herab und wo sie den Meeresspiegel erreicht, beginnt im allgemeinen das Polargebiet im geographisch-landschaftlichen Sinn. Damit wäre auch eine landschaftsökologische Begrenzung der Polarzone in Vorschlag gebracht."

(C. Troll, Das Wesen der Hochgebirgsnatur; in: Jahrbuch des Oesterreichischen Alpen Vereins, 1955)

 

Weitere Umschreibungen nach Carl Troll

Hier müssen wir uns darauf beschränken, das Wesen der Hochgebirgsnatur dadurch klarer werden zu lassen, dass wir ihre Grenzen näher zu bestimmen versuchen. Auf Grund jahrelanger Einzelarbeiten und Erfahrungen komme ich zu einer Abgrenzung durch drei Kriterien: die obere Waldgrenze der Gebirge als Ausdruck der gegenwärtigen klimatischen und vegetationskundlichen Verhältnisse; die eiszeitliche Schneegrenze als Ausdruck des in den Eiszeiten entstandenen, aber heute noch in Vorzeitformen vorhandenen und das Hochgebirge beherrschenden Formenschatzes; die Grenze der subnivalen oder periglazialen Bodenabtragung als Ausdruck für die gegenwärtige bodenkundliche und geomorphologische Dynamik."

(C. Troll, Das Wesen der Hochgebirgsnatur; in: Jahrbuch des Oesterreichischen Alpen Vereins, 1955)

Sonstige Umschreibungen



Unter Stichwort "Gebirge":

".. Nach C. Troll haben alle Hoch-Gebirge eine typische Höhenstufung, bei der neben der obersten nivalen Stufe mit rezentem oder fossilem glazialen Formenschatz sich eine subnivale Fels- und Schuttregion mit sporadischer Vegetation und starker Formung durch Frostverwitterung anschliesst. Darunter folgt erst die alpine Waldstufe, die jedoch noch ein fossiles, glaziales Relief aus den pleistozänen Kaltzeiten besitzt und erst in der Nacheiszeit von der höheren Vegetation wieder erobert worden ist. Die Hoch-Gebirge ragen damit über die Waldgrenze auf."

(Westermann Lexikon der Geographie, Band 2, Braunschweig, 1969)

 

Unter Stichwort "Gebirge":

"Hochgebirge: Hochgebiete der Erde, die durch endogene Kräfte herausgehoben (Orogenese), durch exogene Kräfte überformt und gegliedert, sich von den umgebenden Gebieten abheben."

(Herder Lexikon Geographie, Freiburg - Basel - Wien, 10. Auflage, 1990)

 

Unter Stichwort "Gebirge" (Unterscheidung nach Höhe):

"Hochgebirge: steile und schroffe Formen infolge starker, durch die grosse Reliefenergie bedingte Abtragung (z.B. Alpen)."

(Herder Lexikon Geographie, Freiburg - Basel - Wien, 10. Auflage, 1990)
 

"Hochgebirge: nicht nur formbeschreibender Begriff, sondern komplexe Bezeichnung der Geo- und Biowissenschaften für eine grössere Vollform, die sich bedeutend über den Meeresspiegel erhebt und über spezielle geoökologische Merkmale verfügt. Dazu gehören u.a. ein Steilrelief mit aktiven Hangschutthalden und Neigungen von über 30o; Gebirgszugcharakter, d.h. die Form ist aus Voll- und Hohlformen zusammengesetzt und verfügt über einen Höhenunterschied zur Umgebung von über 1500 m; Vorhandensein einer rezenten Vergletscherung oder wenigstens Spuren pleistozäner Vereisungen mit entsprechenden Merkmalen, wie Trogtal, Hängetal oder Karen; das meist mit letzterem Kriterium verbundene Auftreten von Graten und Gipfelpyramiden; weitestgehende Aufzehrung von vorzeitlichen Flachformen; erkennbare Wirkung jahreszeitlicher Bodengefrornis mit Frostsprengungsverwitterung, Frostmusterböden und Solifluktion; kühleres und feuchteres Klima gegenüber dem wärmeren und tiefer gelegenen Gebirgsvorland; erheben des Gebirges über die obere Waldgrenze sowie deutliches Erkennen eines hypsometrischen Formenwandels, der sich vor allem in einer Höhenstufung der Vegetation ausdrückt."

(DIERCKE, Wörterbuch der Allgemeinen Geographie, Band 1: A - M, Braunschweig - München, 1984)

29.1.97 / CH

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